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  2012-01-31, Dekanat Freising
Ökumenischer Neujahrsempfang - Ansprache von Pfarrerin Karin Jordak, Taufkirchen

Ökumen. Neujahrsempfang
Am Sonntag, 15. Januar 2012 in Taufkirchen /Vils
Ansprache/Festvortrag „Eiszeit in der Ökumene?- Wir können noch viel zusammen machen“ – Karin Jordak, Pfarrerin
Vorbemerkung:
Vor zwei Jahren als Auftakt des 2. Ökumenischen Kirchentags Jahres 2010 haben wir es zum ersten Mal gewagt mit einem ökum. Jahresempfang 2010 hier in diesem Saal und dabei unsere Erfahrungen gemacht. Wir sind dabei diesen ökum. Empfang zu einer Tradition werden zu lassen, denn in diesem Jahr nun findet er zum dritten Mal statt. Für mich zum letzten Mal, denn ich bin eine scheidende Pfarrerin, viele von Ihnen wissen das. Noch genau fünf Monate, bis Ende Mai werde ich hier Dienst tun und danach mich wieder Richtung Franken,– nach Würzburg auf den Weg machen und dort eine Pfarrstelle übernehmen.
Als Scheidende hier eine Ansprache zu halten, ist schon etwas besonderes, das hab ich bei der Vorbereitung auf diesen Nachmittag deutlich gemerkt, denn: Man sieht manches aus einem anderen Blickwinkel, wertet ein Stückweit anders und verhält sich anders, wenn der Abschied nahe ist. Ich hab mich da über mich selber gewundert, wie schnell sich da manches verändert hat, manche Taktik, manche Zurückhaltung ist nicht mehr nötig, Manches sieht man plötzlich aus einer anderen Perspektive , will heißen, ich werde heute, das werden sie merken an manchen Stellen recht frei von der Leber weg reden-
Dazu passt vielleicht wie angegossen die auf dem heutigen Programm fälschlich verschärfte Schreibweise meines Namens hier mit „ck“.-
Aber das nur als Vorbemerkung.
In den letzten Jahren war immer wieder die Rede von der „Eiszeit in der Ökumene“.
Ich habe davon nichts gespürt, denn wir hier vor Ort wir leben sie, weil uns der eine Herr, der eine Glaube, die eine Taufe verbinden. Die ökumenische Uhr ist nicht mehr zurückzudrehen. Und das ist auch sehr gut so.
Denn jede und jeder Vernünftige weiß doch: Gegeneinander ist nichts zu gewinnen, wir Christen sitzen alle in einem Boot, wir leben in einer Gesellschaft, in der in manchen Landstrichen die Unterscheidung von evangelisch und katholisch schon zum Spezialwissen zu rechnen ist in einer Zeit des Traditionsabbruchs und müssen uns damit auseinandersetzen, dass es immer weniger Wissen um religiöse Dinge gibt, - dass manche Eltern uns ehrlich sagen, dass sie nicht einen Menschen haben, der die Patenschaft übernehmen kann bei der Taufe ihres Kindes, weil all „die anderen“ in ihrem Familienumfeld bereits aus der Kirche ausgetreten sind.
Müssen uns auch auseinandersetzen mit einer Gesellschaft, die sehr eklektisch sich nimmt von all den religiösen und pseudoreligiösen als sinnstiftend angesehenen Angeboten, was sie will.
Da wünschen sich- und das erst in der letzten Woche wirklich passiert,
Leute von weither, zwei kath. Christen beide geschieden, eine Trauung in unserer evang. Kirche, zelebrieren soll ein freier Prediger- den sie gegen Geld angeheuert haben. Damit wir ihnen die Kirche zu ihrer Feier vermieten, stellen sie uns eine Spende in Aussicht.
Kirche als Selbstbedienungsladen, aus dem man nach Belieben frei auswählen kann.
Herausforderungen, deren wir uns stellen müssen.

Ökumene heißt: Wir sitzen alle in einem Boot, überkonfessionell versuchen wir zu reagieren, uns anzubieten, uns ins Gespräch zu bringen. Immer wieder und immer wieder neu.
Und wir haben ja auch tatsächlich viel mehr Gemeinsames als Dinge, die uns trennen.
Und eben dies gilt auch für unsere ökumenische Situation: Die vielen großen und kleinen Schritte aufeinander zu, die vielen konfessionsverbindenden Ehen, die vielen theologischen Erklärungen bis hin zur gemeinsamen offiziellen Feststellung zur Rechtfertigungslehre im Jahr 1999 zeigen, wie weit wir gekommen sind. Und wir sind weit gekommen!
Und doch tut noch so viel weh, ist wirklich schmerzlich.
Ich habe das hier in Taufkirchen besonders erlebt all die Male, wenn ich vor unserer ökum. Volkstrauertagsveranstaltung als Gast die Messe in der kath. Kirche besucht habe, um von dort aus Richtung Kriegerdenkmal zu ziehen mit Fackelzug und Bläsern.
Wir feiern miteinander Gottesdienst, ich werde herzlich und sehr würdevoll willkommen geheißen, aber am Tisch des Herrn endet diese Würdigung und unsere Gemeinsamkeit auch.
Mir ging es einige Jahre lang so- schmerzliche Momente waren das. Wie muss es da einem konfessionsverschiedenen Ehepaar ergehen…. noch immer noch heute?
Ja, es ist viel passiert doch es muss noch viel mehr passieren: Ökumene heißt: Wir sitzen alle im selben Boot.
Ökumene muss sie angehen die drängenden Probleme und Grenzen überschreiten, aufbrechen, es ist nötig. Sonst passiert noch deutlicher was ein Karikaturist so dargestellt hat. Dass die offizielle Lehrmeinung und die offiziellen Vertreter der unserer beiden Konfessionen immer noch und immer wieder hinter der Realität der Gläubigen, der Basis hinterher hecheln.
Denn vor Ort passiert das immer wieder, ganz unauffällig vollzieht es sich. Da besuchen kath. Menschen unseren evang. Gottesdienst, lassen sich einladen zur Waldweihnacht, besuchen unsere schöne Kirche, tun das ,wie sie sagen, mit Gewinn und nehmen wie selbstverständlich unverkrampft teil an den Riten und Ritualen der anderen Konfession. Umgekehrt ist das bestimmt auch immer wieder so, und davon werden wir bereichert. So erlebe ich das selber auch. Spannende Erfahrungen sind das, -
Man kann viel lernen von der jeweils anderen Konfession. Mir ging es so und ich habe viel gelernt hier. Allem Voran habe ich durch den intensiven Kontakt mit kath. Kollegen gelernt ,durch die Mit- Nutzung von kath. Räumlichkeiten und Kirchen, die wir uns sozusagen ausleihen durften, - und noch dazu sogar beherzte Messner an die Seite gestellt bekamen. Durch Gespräche in solchen Situationen ist mein Liturgiewissen, das ich mir mühsam am Rand des Studiums angeeignet habe, mindestens verdoppelt, verdreifacht worden. Und bin durch diesen ökum. Kontakt, alltägliche miteinander sensibler geworden für sakrale Kirchenräume und für das sich- Bewegen darin.
Ich hab da viel gelernt.
Und ganz ehrlich: Ich beneide die kath. Gemeinden manchmal um ihre Ministranten. Nicht dass sie mich jetzt falsch verstehen, ich denke nicht, dass wir auch in der evang. Kirche Ministranten einführen sollten.
Ich bin keine Priesterin und brauche auch keine Messdiener, aber genial ist es eben schon, Jugendliche auszubilden und zuzurüsten für einen verantwortlichen Dienst rund um Gottesdienst und das heilige Abendmahl. Was ich beobachtet habe: Mit der Zeit werden die Minis zu echten „Liturgiefachleuten“, und dieses Wissen sensibilisiert, trägt sich weiter und wird weitergegeben, prägt das religiöse Leben ganzer Familien.

Was mir dazu einfällt: Margot Käßmann hat einmal gesagt: „Die Kirchen brauchen die je anderen Kirchen, um ganz und vollständig werden zu können."
Wir dürfen nie den Eindruck erzeugen, wir könnten uns selbst genug sein; die Vielzahl der Kirchen und Konfessionen zeigt, dass wir immer auch der Ergänzung und Verbesserung bedürfen durch die geistlichen Gaben und Einsichten der anderen. Ökumene also als gegenseitige Ergänzung, die uns weiterbringt- ich finde das ist ein schönes Bild.



Ökumene auf Augenhöhe (Bild Priestergewand- Talar)
Das ist das, was ich mir wünsche.
Immer wieder gelingt das auch. Sie sehen hier ein nicht- gestelltes Bild. Der evang. Talar, er hängt hier in der kath. Sakristei – neben dem Priestergewand. Gemeinsames Leben, Zusammenarbeiten auf Augenhöhe.
Eine Szene am Rand einer der vielen vielen ökum. Schulgottesdienste im vergangenen Jahr.
Wir arbeiten sehr oft Schulter an Schulter.
Mit klaren Konturen versehen, jeder als Vertreter der jeweiligen Konfession.
Um das gut zu tun, brauchen wir viel Wissen und Erfahrung miteinander, auch Fingerspitzengefühl, weil wir an manchen Stellen empfindlich sind,
ich vielleicht auch manchmal zickig, jedenfalls: ein sensibler feinfühligen Umgang untereinander tut not..
Und Irritationen kommen schneller auf, als man denkt.
Denn manchmal kann man eben auch aus der eigenen Konfession heraus, nicht über den eigenen Schatten springen.
Da reicht es schon, wenn wir als evang. Kirchenvorstand einen Einladungsbrief zu einer ökum. Aktion bekommen, dessen Satz lautet: „Wir hoffen, dass auch euer Verein mit dabei ist“
Da reicht es wenn in einem kath. Pfarramt das ich zu Terminabsprachen anrufe, die kath. Sekretärin mit großer Selbstverständlichkeit sich meldet mit „ Hier Pfarramt “
Als wenn es das evang. Pfarramt nicht gäbe, inzwischen hab ich mir angewöhnt auf ihre Meldung „Hier Pfarramt“ keck mit „ebenfalls Pfarramt“ zu antworten. Und denke: Als Scheidende darf man manchmal auch ein bisschen pointiert sein.
Sensibilität Fingerspitzengefühl tut not. Und tut gut.
Mit klaren Konturen „Schulter an Schulter“- arbeiten. An vielen Stellen gelingt das wirklich gut. Richtig reizvoll und spannend wir d die Sache, wenn wir vor Ort von unseren beiden Konfessionen aus, gemeinsam etwas entwickeln, Neues kreieren kreieren – die ökum. Kinderbibeltage möchte ich hier nennen oder auch letztes Jahr in Dorfen feierlich eingeweiht, der ökum. Wanderweg..
Sehr beflügelnde Momente sind das..die Kraft geben für den nächsten Schritt und den nächsten Aufbruch..

An anderen Stellen, wo wir ,die Evangelischen, als die später Nachgekommenen, noch irgendwo bei einer kirchl. bis dato rein kath. Aktion aufspringen und mitmachen sollen, tue ich mich da schwerer, den richtigen Platz und Stellung zu finden. Weil es dann oft wenig Freiraum und viele altehrwürdige Traditionen gibt, die einschränken.
Ökumene Schulter an Schulter— das heißt auch kath und evangelische Kirche auch Schulter an Schulter vor die gleichen Probleme gestellt.
Eines der drängendsten Probleme sicherlich:

Ökumene und Personalmangel (Bild Personalmangel)
Es drückt die Stellensituation. In unseren Gemeinden.
Es gilt große Aufgaben anzugehen, unsere Kirchengemeinden zu führen und zu leiten, und das mit minimierter löchriger Personaldecke- Davon können wir hier in Tfk ein Lied singen. Die kath. Und die evang. Gemeinde.
Gespräche bestätigen, dass wir uns an dieser Stelle mit den gleichen Problemen herumschlagen. Mit Anforderungen für Hauptamtliche, die schier nicht zu bewältigen sind, mit Arbeit, die uns über dem Kopf wächst und Repräsentationsaufgaben, die übermächtig sind und Terminanfragen, um die zu erfüllen der Tag nicht 24 sondern doppelt so viele Stunden bräuchte. ..
Daneben unsere Sehnsucht im Herzen, zu neuen Aufbrüchen, zu neuen Ideen, die es gibt, die wir auch gern verwirklichen möchten, aber für die einfach keine Zeit ist…
Hier vor Ort, in unseren Gemeindegebieten ist das ein echtes, und ein bedrängendes Problem.
Wie diesen ganzen Anforderungen Herr oder Frau werden?
Für mich habe ich hier meine Konsequenzen gezogen. Leicht ist mir das nicht gefallen.
Ich denke, es kann auf Dauer mit so dünner Personaldecke nicht gut weitergehen;
ich habe auch Angst davor, dass immer deutlicher Realität wird, was sich schon längst andeutet, dass wir ,ob dieser Tatsache, mutieren zu Predigtproduziermaschinen oder zu Pfarrerinnen und Pfarrern, die nicht mehr dazu kommen, selber zu formulieren und Predigten zu schreiben, sondern sich nur noch durch Zitieren von vorgefertigten pastoralen Versatzstücken… über die Runden retten.

Ich komme zum Schluss:
Mit solchen drängenden Problemen schlagen sich unserer Kirchengemeinden herum und die ökumenische Bewegung hier vor Ort dazu.
Und trotzdem gelingt ganz viel und ich bin dafür sehr sehr dankbar.
Gemeinsam leisten wir unseren Beitrag für die Gesellschaft, sind aktiv, auch hier Schulter an Schulter die evang. und kath. Kirche, z.B. beim Einsatz für Kinder durch übernommene Trägerschaften von Kitas,tun das Unsere dazu, leisten unseren Beitrag und unterstützen und begleiten damit die gesellschaftlichen Veränderungen in unserem Land
Dass das an vielen Stellen gut gelingt, unser Beitrag hier qualitativ hochwertig ist, darauf können wir stolz sein und froh und glücklich.

Mir geht es so, wenn ich die Kita „Kinderkrippe Spatzennest“ anschaue, sie liegt ja direkt in Sichtweite von meinem Pfarramtsbüro aus, dann geht mir das Herz auf. Und ganz besonders als vor Weihnachten es tatsächlich möglich war, mit den Allerkleinsten, die wir da haben, den 1- 3 jährigen fünf Wochen regelmäßig Mini- adventsandachten zu feiern- ökumenisch übrigens!
Sie hätten sie sehen sollen, die strahlenden Augen der Kleinen, wenn sie die Schafe der Krippe platziert haben, oder den Engel entdeckten und ich denke auch: Mit unserem Engagement sind wir da auf dem richtigen Weg…

Ökumene lässt einem das Herz aufgehen, immer wieder, und manchmal passieren im ökum. Miteinander Dinge, die mich fast zu Tränen rühren.

Weil ich an manchmal ganz kleinen, nebensächlichen Begebenheiten etwas davon merke, ganz unmittelbar spüre wie wertgeschätzt unsere Konfession, wie ernst genommen wir als Evang. Partner werden.
Von einem meiner schönsten Erlebnisse im letzten Jahr möchte ich ihnen noch erzählen. Es hat mit dem Angebot einer tatkräftigen Messnerin zu tun.
Es passierte, als ich gehetzt ankam in der in der kath. Sakristei zum ökum. Schulgottesdienst. Als ich meinen faltigen Talar aus dem Koffer nehme, faltig weil er gerade am Schuljahresstart ständig ein- und ausgepackt wird und in ganz verschiedene Kirchen transportiert werden muss.. sagt die kath. Messnerin plötzlich:
„So geht das nicht, los, geben sie schon her!“

Und dann holt sie ihr Bügeleisen raus und bügelt den protestantischen Talar in der kath. Sakristei. Ehe sie mich zum Schulgottesdienst gehen lässt.

Ökumene die das Herz aufgehen lässt.
Solche Episoden sprechen Bände und die gab und gibt es immer wieder,
Hoffnungszeichen sind das auf unserem gemeinsamen Weg.

Ökumene und die Zukunft :
Ökumene wörtlich übersetzt heißt das ja der „Der ganze bewohnte Erdkreis.“
Wir evang. und kath. Christen sind schon lange miteinander unterwegs, machen unsere Erfahrungen und erleben immer wieder viel Schönes miteinander.
Ich denke, dabei ist es immer gut, wenn es hier und da zu Aufbrüchen kommt, wenn sich vermeintlich harte Grenzen plötzlich nicht mehr einengen.
Sondern Lebendiges, Erfrischendes heraussprudelt und Leben pulsiert.
Wir die evang. Und kath. Gemeinden sind miteinander unterwegs und haben schon diverse Aufbruche erleben dürfen.
In anderen Beziehungen ist die Ökumene noch ganz zaghaft, jung und erst ein zartes Gewächs.
Ich meine das v.a. im Hinblick auf den interreligiösen Dialog.
Im Austausch in der Kommunikation und in gemeinsamen Aktionen mit den Muslimen, die es auf unseren Gemeindegebieten gibt.

Ein Hoffnungszeichen: Der Ausflug, der vor knapp einem Jahr zum islamischen Verein Dorfen auf dem Programm stand- eine ökum. Veranstaltung der kath. Gemeinden in Dorfen und Oberdorfen mit uns von der evang. Kirhcengemeinde.

Es geht voran, es geht weiter…
Herausforderungen gibt es genug,
die uns anregen, die uns anstacheln,
- „nach dem 2. Ökt ist vor dem dritten!“- auf dem Weg dahin sind wir!
- und wir sind: mitten in der Lutherdekade, spannend was sich in diesen Jahren bis zum Jubeljahr 2017 in kritischer Auseinandersetzung mit unseren evang. Wurzeln auch ökumenisch noch alles tun wird…wir können gespannt sein!

Ein Abschluss- Satz:
Eingefallen ist mir dazu das Motto eines Kinderbuches, das soll den Schlusspunkt setzen.
Da sind gleich mehrere miteinander unterwegs, ganz unterschiedliche Kreaturen sind das,
in diesem Kinderbuch ein Fisch, ein Schwein und ein Vogel.
Sie können alle nicht raus aus ihrer Haut, aber sie mögen sich und machen in großer Verbundenheit deshalb trotzdem beherzt Schritte miteinander.
Gehen mutig ihren Weg und sind sich sicher:

„ Wir können noch viel miteinander machen!“
 
  2012-01-30, Kirchengemeinde Freising
Vorstellung Pfarrerin Meye Hoesch de Orellana

Ein herzliches Grüß Gott!

Ab Februar werde ich Ihre Pfarrerin z.A. in Freising Neustift und in Zolling und Haag sein. Sicher sind Sie genau so neugierig wie ich, was Sie da erwartet. Ich heiße Meye Hoesch de Orellana- ein langer Name, der Sie nicht verunsichern muss. Sie können mich gerne einfach „Frau Hoesch“ nennen. Ich komme gebürtig aus Augsburg, habe meine Kindheit in Königsbrunn verlebt und bin dann nach Württemberg zum Studieren gegangen. Dort bin ich länger als gedacht hängen geblieben. Mein Vikariat habe ich gastweise bei der Württembergischen Landeskirche in Jesingen bei Kirchheim unter Teck verbracht, da mein Mann bisher in Stuttgart gearbeitet hat. Ich habe dort 2,5 wunderbare Jahre verbracht, die mich sehr geprägt haben und ich hoffe, dass ich mich vom tiefsten Schwäbisch schnell aufs Bayrische umstellen kann. Ich habe dann noch 5 Monate im Kirchenbezirk Kirchheim alle möglichen Vertretungen übernommen. Jetzt freue ich mich sehr auf eine eigene Gemeindestelle und bin gespannt, Sie alle kennen zu lernen. Für mich heißt das auch ein Stückchen „back to the roots“, denn immerhin komme ich nach 10 Jahren wieder zurück nach Bayern! Mein Mann kommt glücklicherweise mit, obwohl es für Ihn heißt, seine Arbeit in Stuttgart zurückzulassen. Er ist Spanischlehrer und ist dabei, eine eigene Sprachschule in München und Freising aufzubauen. Außerdem gibt er Privatunterricht.
Zu meinen Hobbies gehören joggen, Rad fahren, Klavier und Flöte. Das soll fürs erste von mir genügen. Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Ihnen! Fragen Sie mich ruhig alles, was Sie sonst noch wissen wollen!
Ganz herzliche Grüße,
Ihre Pfarrerin z.A. Meye Hoesch de Orellana
 
  2012-01-30, Dekanat Freising
Gottesdienste für das Wochenende 05.02.2012 im Landkreis Erding

Erding:
Freitag: um 15.00 hält Pfarrer Reichert im Fischer Seniorenstift Gottesdienst und um 16.00 Pfarrerin Sadewasser im Heiliggeist-Stift. Um 18.00 beginnt in der Kath. Kirche Aufhausen ein ökum. Gottesdienst zur Gebetswoche der Einheit der Christen mit Diakon Lenz und Pfarrer Reichert.
Sonntag: Pfarrer Reichert predigt um 9.00 in der Christuskirche im Gottesdienst und um 10.30 in der Erlöserkirche im Abendmahlsgottesdienst.

Taufkirchen Johanneskirche: um 10.00 beginnt der Familiengottesdienst mit Pfarrerin Jordak.

Versöhnungskirche Dorfen: um 10.15 lädt Pfarrerin Oefele zum Familiengottesdienst ein.

Wartenberg: In der Friedenskirche gestaltet Pfarrerin Weller den Abendmahlsgottesdienst um 9.00
 
  2012-01-30, Dekanat Freising
Gottesdienste für das Wochenende 05.02.2012 im Landkreis Freising

Au Christuskirche:
10.00 Gottesdienst.

Eching Magdalenen-Kirche:
10.00 Abendmahlsgottesdienst mit Prädikant Blum.

Freising:
Paul-Gerhardt-Haus: 8.00 Gottesdienst mit Pfarrerin Löser; um 18.30 ist Abendstille.
Christi-Himmelfahrts-Kirche: Um 9.30 predigt Pfarrerin Löser im Abendmahlsgottesdienst.
Epiphaniaszentrum: um 11.00 beginnt der Kleine-Leute-Gottesdienst mit Pfarrer Prusseit zum Thema: „Jona, ein Prophet geht baden“. Im Anschluss Mittagessen.
Mittwoch: 10.00 Abendmahlsgottesdienst mit Prädikant Lübkert im Seniorenzentrum Zolling;
in der Christi-Himmelfahrts-Kirche beginnt um 18.30 „Stille vor Gott“ - offene Abendandacht.

Moosburg Versöhnungskirche: um 10.30 predigt Pfarrerin Weller im Abendmahlsgottesdienst.

Neufahrn: um 10.00 gestaltet Pfarrer Henninger den Gottesdienst mit Abendmahl in der Auferstehungskirche.
Um 11.00 predigt Pfarrer Bachmann in der Grundschule Hallbergmoos im „Gottesdienst anders“.

Oberallershausen: 9.00 Abendmahlsgottesdienst mit Prädikant Lübkert.
 
  2012-01-26, Dekanat Freising
Gottesdienste für das Wochenende 05.02.2012 Markt Schwaben und Poing

Markt Schwaben:
Um 10.00 predigt in der Philippuskirche Pfarrerin Bickhardt im Gottesdienst mit Abendmahl; zugleich ist Kindergottesdienst und anschließend ist Kirchenkaffee.
Um 11.15 hält Pfarrerin Bickhardt einen Kleinkindergottesdienst.

Anzing: In die Högerkapelle lädt Pfarrer Fuchs um 11.15 zu einem Familiengottesdienst ein.

Poing: Um 10.00 gestaltet Pfarrer Simonsen in der Christuskirche den Gottesdienst mit Abendmahl und Kammerorchester. Zugleich ist Kindergottesdienst.
 
  2011-11-16, Dekanat Freising
Themenpredigt am Reformationstag 2011 - Ministerpräsident a.D. Dr. Beckstein

Es gilt das gesprochene Wort.

Kanzelrede des Bayerischen Ministerpräsidenten a. D. Dr. Günther Beckstein im Rahmen der Gottesdienstreihe des Evangelischen Dekanates Freising zum Thema „Von Last und Lust, ein freier Mensch zu sein“ am Montag, dem 31. Oktober 2011, in der Christi-Himmelfahrts-Kirche zu Freising
Thema: Frei und freiwillig – Handeln in christlicher Verantwortung

Liebe Gottesdienstgemeinde!

Einstieg: „Wenn du nicht dazu berufen bist, ...“
„Wenn du nicht dazu berufen bist, dann meide das Predigen wie die Hölle“, soll Martin Luther einmal gesagt haben. Ginge es nach die-sem Ausspruch, dann dürfte ich jetzt nicht hier vorne stehen, denn ich bin kein Pfarrer, habe nicht Theologie studiert, sondern Jura und bin noch dazu Politiker.

Ich habe aber zwei sehr gute Begründungen, warum ich heute trotzdem vor Ihnen stehe:

• Erstens predige ich nicht, sondern ich halte eine Kanzelrede. Gegen Kanzelreden hatte Luther nichts einzuwenden, soweit ich weiß. Zumindest passen sie zu einer öffentlichen Kirche, wie sie gestern bei seiner Amtseinführung der neue Landesbischof Bedford-Strohm als Auftrag für unsere bayerische Landeskirche formuliert hat.

• Und zweitens ist schon etwas besonders Spannendes, am Re-formationstag hier in Freising – also dem „Bayerischen Vatikan“ – zu sprechen.

10 Jahre Diakonisches Werk Freising
Aber ich stehe auch als Gratulant vor Ihnen. Als Gratulant zum zehnten Geburtstag des Diakonischen Werks Freising. Zunächst fing das Diakonische Werk Freising ja ganz bescheiden an – mit einer halben Stelle, nachdem die Landshuter das Freisinger Gebiet nicht mehr mitbetreuen konnten. Aber schon nach kurzer Zeit hatte es sich mit seinem Angebot in der Bevölkerung etabliert. Und zwar nicht nur, weil der Bedarf nach Beratung und Unterstützung da war. Sondern auch wegen der ausgezeichneten Arbeit, die die haupt- und ehrenamtlichen Kräfte leisten.
Herzlichen Glückwunsch also zu diesem zwar jugendlichen, aber trotzdem ganz besonderen Geburtstag! Es ist mir ein Anliegen, für die wunderbare Arbeit in der Diakonie zu danken. Ihre letztjährige Dekanatssynode hat die Diakonie als den ausgestreckten Arm der evangelischen Kirche zu den Armen und Bedürftigen bezeichnet. Mit der kirchlichen allgemeinen Sozialarbeit, dem Angebot „Von Mann zu Mann“ oder der Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit, aber auch der sonstigen Tätigkeit von der Betreuung von Kleinkindern bis zur Pflege in Alters- und Pflegeheimen wird ein großartiger Dienst für die Menschen geleistet. Mir ist es ein Anliegen, diese Arbeit nicht nur anzuerkennen, sondern auch aufzuwerten, auch finanziell. Mir leuchtet es nicht ein, warum die Tätigkeit am Fließband einer PKW-Fertigung auch finanziell höher bewertet wird als die Arbeit am Menschen.

„Hier stehe ich“
Liebe Gottesdienstgemeinde!

Diese Gottesdienstreihe – Last und Lust, ein freier Mensch zu sein – verweist uns analog zum Themenjahr der Lutherdekade auf einen zentralen Begriff der Reformation: auf die Freiheit.

Gerade zum Reformationstag und gerade zu Martin Luther passt dieser Begriff sehr gut. Luther ist in gewisser Weise zu einem Vorkämpfer für die neuzeitliche Meinungs- und Glaubensfreiheit geworden.

• 1517 hat er mit seinem Thesenanschlag in Wittenberg einen wahren Befreiungsschlag gewagt.

• Und ich erinnere Sie an die wohl bekannteste Szene aus seinem Leben: 1521, als Luther auf dem Wormser Reichstag vor Kaiser Karl V. stand, bereits durch den Kirchenbann zum Ketzer erklärt. Luther hat damals nichts von seinen Behauptungen widerrufen. Er soll den berühmten Ausspruch getan haben: „Hier stehe ich. Gott helfe mir. Ich kann nicht anders.“

Luther war damit Vorbote einer Neuzeit, die das Individuum betonte. Aufklärung und Humanismus haben seine Gedanken weitergedacht und damit die christliche Grundaussage wieder zum Leuchten gebracht, dass jeder Mensch das Ebenbild Gottes ist.

Das Ringen um Freiheit – Beispiele
„Ich kann nicht anders.“ Dieser Satz bringt auf den Punkt, was die Freiheit dem Menschen bedeutet: Ohne Freiheit kommen wir einfach nicht aus. Der berühmte italienische Dichter Dante Alighieri hat das natürlich poetischer als ich ausgedrückt. Er hat gesagt: „Das Men-schengeschlecht kann ohne Freiheit nicht glücklich sein.“ Und Marius Müller-Westernhagen singt hymnisch: „Freiheit, Freiheit ist das ein-zige, was zählt.“

Wir Deutsche genießen seit 1945 persönliche Freiheitsrechte wie kaum ein Volk auf der Welt.

Oftmals sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht und wissen es gar nicht mehr zu schätzen, wie gut es uns mit unserer Freiheit ei-gentlich geht. Dabei würde ein Blick nach Nordafrika und Arabien genügen, um festzustellen: Menschen riskieren für die Freiheit sogar ihr Leben – und verlieren es auch. Gerade uns Deutschen müsste das bekannt vorkommen. Unsere wechselhafte Geschichte ist voll von Persönlichkeiten, die für die Meinungs- und Glaubensfreiheit ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben.

• Denken Sie an den Widerstand im Nationalsozialismus, an Dietrich Bonhoeffer zum Beispiel, der sein Leben im Konzentra-tionslager Flossenbürg ließ.

• Oder denken Sie an den Mauerfall und die Wiedervereinigung! Auch sie ist das Ergebnis des Freiheitsdranges von entrechteten Menschen, die alles riskiert und alles gewonnen haben! Joachim Gauck hat beim Jahresempfang der Evangelischen Akademie Tutzing bekannt: „Mein Leben [hat sich] 1989 in einer wunderbaren Weise verwandelt.“ 1989 wurden aus „Insassen der DDR“, wie Gauck es empfand, freie Bürgerinnen und Bürger. Lassen Sie uns die Bedeutung der Kirchen bei der Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit nie vergessen. Besonders die Rolle der evangelischen Kirche war ent-scheidend: Ohne sie wäre die Wiedervereinigung in dieser Form nicht möglich gewesen.

Freiheit im Grundgesetz
Liebe Gottesdienstgemeinde!

Wenn wir über die Freiheit reden, dann geht es dabei zunächst um grundlegende Freiheitsrechte. Um Rechte, die uns Deutschen das Grundgesetz seit über 60 Jahren zusichert.

• Wir haben das Allgemeine Freiheitsrecht im Artikel 2 unseres Grundgesetzes.

• Wir haben die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit in Artikel 4.

• Wir haben die Meinungsfreiheit, besonders die Pressefreiheit und die Demonstrationsfreiheit, die Koalitionsfreiheit und, ganz wichtig, die Freiheit des Eigentums.

Bei uns ist die Frage also nicht, ob der einzelne seine Freiheiten hat. Sondern, wieviel der einzelne an Freiheit haben kann, damit ein gutes Zusammenleben aller Bürgerinnen und Bürger möglich ist.

Freiheit in Verantwortung
Luther hat in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmen-schen“ eine überzeugende und salomonische Antwort auf diese Frage gegeben: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“.

Für mich ist dieser Freiheitsbegriff absolut überzeugend. Frei ist der Mensch, weil er ein vorstaatliches – ich sage: ein göttliches – Recht auf die Freiheit hat. Aber gerade aufgrund dieses unveräußer-lichen Rechtes schuldet er seinen Mitmenschen in der Freiheit auch seine Verantwortung. Die Freiheit, die für Luther gottgefällig und gott-gewollt ist, ist immer eine Freiheit in Verantwortung. Ich nehme wiederum auf Joachim Gauck Bezug, der die Verantwortung sogar als „die Freiheit der Erwachsenen“ bezeichnet.

Menschenwürde
Das zentrale Prinzip dabei, dem sich jede Art von Freiheit verpflichtet fühlen muss, ist die Menschenwürde.

Jeder Mensch hat nach christlicher Überzeugung dieselbe unantast-bare Würde vor Gott und den Menschen, weil jeder in demselben Maße Ebenbild Gottes ist [1. Mose 1,27: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“].

Der Wert des Menschen – das ist festzuhalten – ist also unabhängig von seiner Leistung. Alleine dadurch, dass es ihn gibt, ist er etwas wert. Als Christen sagen wir: Du bist uns genauso viel wert als Armer wie als Reicher, als Behinderter wie als Spitzensportler, als kleines Licht wie als großer Ministerpräsident.

Seit vielen Jahren begleitet mich in meinem Büro eine schöne goti-sche Figur des heiligen Antonius von Padua, des Heiligen der Bettler. Nicht, dass Sie jetzt glauben, ich hätte eine geheime katholische Seite. Das ist nicht der Fall. Aber der heilige Antonius erinnert mich täglich an diesen Grundsatz von der gleichen Würde und vom gleichen Wert aller Menschen. Wir Menschen brauchen diese Erinne-rung immer einmal wieder, und wir Politiker vielleicht ganz besonders.

Tibet
Bei meiner Tibetreise im Sommer 2009 hat mich das Menschenbild der Religionen sehr beschäftigt: Ich sah dort Menschen, die sich auf Wallfahrten -zigtausendmal zu Boden werfen. Denn: Nur derjenige, der sich hunderttausendmal zu Boden wirft, hat die Chance, als Mensch wiedergeboren zu werden. Ein anderes Beispiel: Unser Guide hatte ständig Wurst für Hunde dabei, weil ihm einmal weisgesagt worden war, er würde seine Großmutter in Form eines Hundes wieder treffen.

Laien in der evangelischen Kirche
Wie wunderbar dagegen ist unser Glaube!

Der Glaube, dass Gott seinen Sohn auf die Welt geschickt hat, damit wir in einer personalen Beziehung zu ihm leben können. Nicht in tota-ler Unterwerfung, so wie bei anderen Religionen!

Martin Luther geht mit seiner Auffassung vom Laienpriestertum aller Gläubigen sogar so weit, dass er sagt: Glaubenswahrheit ist nichts, wozu man einen Mittler zwischen sich und Gott braucht. Glau-benswahrheit kann jeder einzelne Mensch für sich selbst erfahren, als Individuum und als Geschöpf Gottes.

Dies wurde im Übrigen auch bei der gestrigen Amtseinführung des neuen Landesbischofs sichtbar: Sie ist keine Bischofsweihe gewesen, sondern eine Segnung. Wir sind seit einigen Jahren sowieso den Katholiken näher gekommen: Während es im Bereich der EKD nur den Ratsvorsitzenden, einen Präses oder Superintendenten gibt, haben wir neben dem Landes- auch die Regionalbischöfe.

Die Bedeutung der Laien in der evangelischen Kirche wurde auch beim ökumenischen Wortgottesdienst anlässlich des Besuchs von Papst Benedikt in Erfurt deutlich: Dass eine Frau, die nicht ordiniert ist – die Präses der Synode, Frau Göring-Eckardt – die Begrüßung und das geistliche Wort für unsere Kirche gesprochen hat, sollte die Bedeutung der Frau und der Laien in der Kirche herausstellen.

Dieses würdevolle, dieses selbstbewusste Menschenbild: Das halte ich für einen unglaublich guten Trumpf meines Glaubens und meiner Kirche.

Menschenwürde als Prinzip für das Wirtschaftshandeln
Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Leider ist das in der Realität nicht immer der Fall. Gerade in der Wirtschaft und auf den Finanzmärkten lässt die Orientierung am Wohlergehen des Menschen manchmal zu wünschen übrig, stehen schneller Profit und eine Hire-and-Fire-Mentalität im Vordergrund. Ich sage hier ganz klar: Das tut dem Menschen einfach nicht gut. Um ihn muss es in unserer Sozialen Marktwirtschaft zuallererst gehen. Er gehört ins Zentrum.

Ich zitiere aus einer evangelischen Denkschrift zum unternehme-rischen Handeln: „Alle, die im Unternehmen tätig sind, ob Vorstände oder Hilfsarbeiter, sind eben nicht nur Mittel zum Zweck, sondern auch und vor allem Geschöpfe Gottes, geschaffen zu Gottes Bild. Immanuel Kant hat diese Gedanken mit der griffigen Formulierung aufgenommen, alles habe seinen Wert, nur der Mensch habe eine unveräußerliche Würde.“ [Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive. Eine Denkschrift des Rates der EKD, 2008]

Es hat mich zum Beispiel tief beeindruckt, als ein fränkischer Unter-nehmer einen Geschäftsbereich zu einem geringeren Betrag als eigentlich vereinbart veräußert hat, damit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Weiterbeschäftigungszusage gegeben werden konnte. Dieses Ethos entspricht dem Verantwortungsbewusstsein, das Thomas Manns Kaufmann Buddenbrook seinem Nachfolger ins Stammbuch schreibt: „Sei mit Lust bei den Geschäften am Tag, aber mache nur solche, dass wir bei Nacht ruhig schlafen können.“

Nach wie vor gibt es in Deutschland solche ehrbaren Kaufleute, Un-ternehmer mit einem hohen ethischen Anspruch an sich selbst. Und nach wie vor gibt es das Gegenteil davon: Finanzjongleure, die kei-ne einzige Minute mehr ruhig schlafen dürften. Meistens schlafen aber gerade die so dermaßen gut, dass eher die Ehrlichen um den Schlaf gebracht sind, weil sie die Kaltschnäuzigkeit der anderen gar nicht fassen können.

Ehrenamt ist Freiheit in Verantwortung
Noch ein anderer Aspekt ist mir beim Thema „Freiheit“ wichtig: Frei-heit in Verantwortung bedeutet immer auch freiwillig. Es gibt viele Menschen, die sich freiwillig und ehrenamtlich engagieren – ganz privat in der Nachbarschaft, im Verein oder eben auch in der Kir-chengemeinde.

• Der Schüler, der für seine alte Nachbarin die Einkäufe erledigt,

• der Feuerwehrmann, der bei jedem Einsatz sein Leben und seine Gesundheit aufs Neue riskiert,

• oder die ehrenamtlichen Mitarbeiter unseres Geburtstagskindes, des Diakonischen Werks:

Alle diese Menschen engagieren sich freiwillig im Sinne dieses Wor-tes. Durch ihr Wirken erfahren wir ganz anschaulich: Nicht der Ellen-bogen ist es, der zählt, sondern das Herz und die helfende Hand. Damit ist ehrenamtliche Arbeit immer auch die Arbeit für einen ech-ten, einen solidarischen Freiheitsbegriff. Und gegen ein Verständnis von Freiheit als Befreiung von jeder Verantwortung. Ehrenamt ist Freiheit in Verantwortung pur!

Jugend und Ehrenamt
Was mich in diesem Zusammenhang besonders freut: Entgegen dem Klischee von der zunehmend gleichgültigen Jugend engagieren sich die jungen Menschen in Deutschland überdurchschnittlich häu-fig ehrenamtlich.

Das ergibt die aktuelle Shell-Jugendstudie 2010. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass sich in Deutschland 39 Prozent der Jugendlichen für soziale oder gesellschaftliche Zwecke engagieren – Tendenz steigend. Das beweist: Junge Menschen sind nicht weniger an einem guten Miteinander interessiert als ältere. Und sie sind nicht weniger bereit, sich in ihrer Freizeit dafür einzusetzen.

Aber natürlich brauchen wir genauso das Engagement der Generation 60 plus. Es ist erfreulich, dass immer mehr Ältere ihren Erfah-rungsschatz und ihre Zeit ins Ehrenamt einbringen. Das stärkt das Band zwischen Jung und Alt und gibt ein starkes Signal nach dem Motto: Wir entscheiden uns gegen Egoismus und Kälte. Gegen Kör-perkult, Konsumsucht, hemmungsloses Besitzstreben und Oberfläch-lichkeit. Wir entscheiden uns für Freiheit in Verantwortung.

Diakonie
Verantwortung ist auch das Stichwort für die Diakonie. Die Diakonie ist Anwalt für den Menschen – das ist oft eine schwierige Aufgabe unter vielfältigen Zwängen. Sie steht selbst im Wettbewerb mit ande-ren freien Trägern oder Privaten. Und gerade der Kostendruck, der seitens der Kostenträger besteht, macht die Arbeit oft schwer.

Klar ist aber für die Diakonie trotzdem immer: Nicht die Rendite steht im Vordergrund, sondern die Qualität der Arbeit für den Menschen. Natürlich muss Kostendeckung erreicht werden, das ist klar. Im Vordergrund aber steht das Ethos, steht die Hilfe. Es belastet viele in der Diakonie Tätige, dass die Dokumentation von Pflegeleistungen inzwischen mehr Zeit in Anspruch nimmt als das Reden mit einem einsamen alten Menschen.

Liebe Gottesdienstgemeinde

Last und Lust, frei und freiwillig: Wo stehen wir also mit unserer Freiheit?

Für ihren Fortbestand ist die Freiheit darauf angewiesen, dass die Menschen frei und frei-willig Verantwortung für dieses kostbare Gut übernehmen.

Für mich persönlich sind mein Glaube und das christliche Men-schenbild dabei mein Kompass. Zwar geben sie mir keine konkreten Entscheidungsanweisungen. Aber sie geben mir Halt, Hoffnung und Kraft. Franz Grillparzer drückt es so aus: „Gott nimmt nicht die Las-ten, sondern stärkt die Schultern.“

Von Christus befreite Menschen verstehen unter Freiheit nicht Belie-bigkeit, sondern Verantwortung. Das wird gerade in der Diakonie deutlich, wo Haupt- und Ehrenamtliche sich freiwillig in den Dienst am Nächsten stellen, der auf Hilfe angewiesen ist. Wir müssen hier noch besser werden, überzeugender: Mich bedrückt es, dass Millionen von Muslimen in unser Land gekommen sind, weil sie sich ein besseres Leben als in der Heimat erwartet haben. Und trotzdem konvertieren mehr Christen zum Islam als Muslime zum Christentum. Dies zeigt uns doch, die wir alle Kirche sind: Wir müssen noch bessere Botschafter unseres Glaubens werden.

Die Botschaft des Reformationstages heute heißt für mich einer-seits: Dank all denen zu sagen, die sich freiwillig in den Dienst anderer Menschen stellen, gerade auch bei der Diakonie. Und andererseits beinhaltet dieser Tag für mich auch die Bitte, den Glauben in Wort und Tat noch intensiver zu bezeugen.
 

 
© webmaster | update: Tue 06. Oct 2009 17:04